Nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg gerieten die Apachen ins Visier der US-Armee – und lieferten ihr den längsten und zermürbendsten Feldzug ihrer Geschichte. Mittendrin: der Kriegshäuptling Ulzana, der 1885 mit einer Handvoll Krieger aus dem Reservat floh und einen Guerillakampf gegen eine vielfach überlegene Militärmacht führte. Stefan Wogawa zeichnet das Leben dieses Mannes nach, von den Konflikten mit spanischen Kolonisatoren und deren mexikanischen Nachfolgern bis zum bitteren Ende der Apachenkriege.
Doch das Buch hat eine zweite Ebene. 1973 und 1974 verfilmte die DEFA die Geschichte Ulzanas in zwei Spielfilmen mit Gojko Mitić. Wogawa fragt, was die ostdeutsche Filmproduktion aus dem historischen Stoff machte, wo sie ihm gerecht wurde und wo sie eigene Erzählungen darüberlegte. So entsteht ein doppeltes Porträt: das eines Mannes, der sich der Unterwerfung widersetzte, und das einer Filmtradition, die den antikolonialen Kampf auf ihre Weise deutete. Zwischen beidem liegt mehr als ein Jahrhundert – und eine Menge darüber, wie Geschichte erzählt wird, je nachdem, wer erzählt.
Ein reich illustriertes Buch für alle, die sich für die Apachenkriege jenseits von Karl May interessieren, für die Geschichte des DEFA-Indianerfilms – und für die Frage, was vom historischen Kern bleibt, wenn er durch die Werkstätten des Kinos gegangen ist.