Zwischen 1966 und 1985 entstanden in der DEFA-Filmproduktion sechzehn Indianerfilme – ein eigenes Genre, das weit mehr war als Unterhaltungskino. Stefan Wogawa hat mit diesem Lexikon erstmals sämtliche Filme systematisch erfasst, historisch eingeordnet und in ihren Produktionszusammenhängen dargestellt: von den Dreharbeiten in der Mongolei und Jugoslawien über die Arbeit der Regisseure, Szenenbildner und Darsteller bis zu den realen Konflikten der nordamerikanischen Geschichte, die den Stoffen zugrunde lagen.
Was diese Filme von den Western der Traumfabrik unterschied, war ein Perspektivwechsel, der bis heute bemerkenswert bleibt. Die DEFA erzählte nicht vom weißen Siedler als Zivilisationsbringer, sondern von Vertreibung, gebrochenem Wort und dem Widerstand indigener Völker. Die ideologische Rahmung der DDR mag dabei ihre eigenen Absichten verfolgt haben – doch die Fragen, die diese Filme aufwarfen, sind nicht erledigt. Was die Häuptlinge damals sagten, wie Gojko Mitić es formuliert, ist nach wie vor gültig. Wogawas Lexikon legt frei, was in den Filmen an Substanz steckt, jenseits von Nostalgie und jenseits von Verklärung.
Ein Nachschlagewerk für alle, die sich ernsthaft mit DDR-Filmgeschichte beschäftigen, und eine Einladung an jene, die diese Filme als Kinder gesehen haben und nun wissen wollen, was sie damals eigentlich gesehen haben.