Tecumseh, Kriegsführer und Diplomat der Shawnee, entwirft in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts eine Vision, die über alles hinausgeht, was die indigenen Völker Nordamerikas bis dahin versucht haben: einen Zusammenschluss der Nationen vom Golf von Mexiko bis zu den Großen Seen, einen eigenen Staat als Gegengewicht zu der jungen, unersättlich nach Westen drängenden Republik. Er reist Tausende Kilometer, verhandelt, wirbt, beschwört – und scheitert am Ende auf einem Schlachtfeld in Ontario, als Brigadegeneral im Dienst der britischen Krone. Stefan Wogawa zeichnet dieses Leben nach, reich illustriert und nah an den Quellen.
Das Buch verfolgt aber noch eine zweite Spur: den DEFA-Film von 1972, der Tecumsehs Geschichte auf die Leinwand brachte und dabei mehr wollte als Abenteuer. Mit Gojko Mitić in der Titelrolle und der Musik von Günther Fischer entstand ein Film, der historischen Anspruch und die politische Handschrift seiner Zeit in sich trägt. Wogawa fragt, was vom einen wie vom anderen bleibt – von Tecumsehs Idee einer indigenen Souveränität und von dem Versuch, sie Jahrzehnte später im Kino eines anderen untergegangenen Staates zu erzählen. Ein ausführliches Gespräch mit Gojko Mitić öffnet dabei den Blick hinter die Kulissen der Produktion.
Ein Buch für alle, die sich für die Geschichte der nordamerikanischen Ureinwohner interessieren, für die Erzählweisen des DEFA-Films – und für die Frage, wie Widerstand gegen Landnahme in verschiedenen Jahrhunderten und Medien erinnert wird.