Goslar, im Frühling 1102: Truchsess Moritz von Moricho verlässt den Kaisersaal mit einem Fluch auf den Lippen. Sein Dienstherr Heinrich IV., bedrängt vom eigenen Sohn im Kampf um den Thron, schickt ausgerechnet ihn – den letzten treuen Ritter – an den Ostrand des Thüringer Waldes. In einem Ort namens Arnestati soll er den Enkel des Kiewer Fürsten Jaropolk aufspüren. Moritz wittert Intrige: Der Thronfolger will ihn aus dem Weg haben. Widerwillig bricht er auf, die vierzehnjährige Tochter Paulina im Gefolge und an seiner Seite die kluge Mechthild von Swartzingburg, die das ungebärdige Bergland kennt wie keine Zweite – und die ihm längst mehr bedeutet, als er sich eingestehen mag.
Was als kaiserlicher Auftrag beginnt, wird zur Flucht durch Thüringen: über Nordhusa, den Boce, Sumerda bis nach Fugelsburg. Otto-Kurt-Dieter Hesse erzählt von Machtkämpfen und Loyalitätskonflikten, von den Verwerfungen zwischen Reich und Region in einer Zeit, in der das Heilige Römische Reich an seinen inneren Widersprüchen zu zerbrechen drohte. Die historischen Orte tragen noch ihre alten Namen, die Landschaft ist rau, die Politik ist es nicht weniger. Und hinter der äußeren Handlung steht die Frage, was Treue wert ist, wenn die Macht, der man dient, sich selbst zerstört.
Ein historischer Roman für Leserinnen und Leser, die Thüringer Geschichte jenseits der vertrauten Epochen suchen – im frühen zwölften Jahrhundert, als die Kevernburg noch stand und die Orte zwischen Harz und Thüringer Wald Schauplätze großer Reichspolitik waren.