Um das Jahr 1100 stirbt Graf Beringar von Lare und hinterlässt seiner Tochter Adelheid eine Grafschaft, die regiert werden will – von einer Frau, die dafür keine Vorbilder hat. Raubgesindel bedroht das Land, die Mächtigen ringsum wittern Schwäche. Adelheid begreift, dass sie einen Gemahl braucht, doch sie weigert sich, diese Wahl dem Zufall oder der Konvention zu überlassen: Sie ersinnt eine Mutprobe, die den Richtigen von den bloß Ehrgeizigen scheiden soll. Und als sie Jahre später erneut allein dasteht, wagt sie etwas, das weit über ihre Grafschaft hinausweist – die Stiftung eines Zisterzienserklosters in Walkenried, gegen den erbitterten Widerstand eines mächtigen Abtes, und damit einen Beitrag zu einer Reformbewegung, die das deutsche Reich verändern wird.
Simone Knodel erzählt von einer Frau, die in einer Welt handelt, in der Frauen nicht handeln sollen. Das Buch fragt, was Macht bedeutet, wenn sie nicht vorgesehen ist – und was es kostet, sie dennoch auszuüben. Hinter der historischen Erzählung steht das Spannungsverhältnis zwischen Gehorsam und Eigensinn, zwischen kirchlicher Autorität und dem Willen einer Einzelnen, die Dinge anders zu ordnen, als es die Mächtigen dulden wollen.
Ein Roman für Leserinnen und Leser, die das Mittelalter nicht als Kulisse suchen, sondern als Denkraum – und die sich für die Geschichten interessieren, die hinter den großen Daten der Geschichtsbücher verschwunden sind.