Wer aufmerksam durch den Wald geht, liest in einem Buch, das nie zu Ende geschrieben ist. Eine angeknabberte Nussschale am Wegesrand, eine Feder im Moos, Fraßspuren an der Rinde einer alten Buche – der Wald ist voller Zeichen, die sich entziffern lassen, wenn man weiß, wonach man sucht. Johanna Kirschstein hat jahrelang gesammelt, gefragt und nachgeforscht, hat mit Forstleuten gesprochen, mit Kindern und mit Menschen, die den Wald als Arbeitsplatz und Lebensraum kennen. Daraus ist ein Buch entstanden, das auf 112 Seiten die Vielfalt des Waldes sichtbar macht – seine Bewohner, seine stillen Ordnungen, seinen Nutzen und seine Schönheit.
Das Buch stellt die Frage, die so einfach klingt und doch so weit führt: Was erzählt uns der Wald, wenn wir genau hinsehen? Es geht um Spuren im wörtlichen Sinne, um Fährten und Abdrücke, aber auch um die weniger offensichtlichen Zusammenhänge zwischen Bäumen, Tieren, Jahreszeiten und menschlichem Tun. Johanna Kirschstein verschweigt dabei nicht, dass sie selbst als naturverbundener Mensch beim Schreiben auf Wissenslücken gestoßen ist. Genau diese Haltung – Neugier statt Besserwisserei – trägt das ganze Buch. Die Illustrationen von Edeltraut Stapf begleiten den Text mit einer Genauigkeit, die das Hinschauen lehrt.
Ein Buch für Kinder, die den Wald nicht nur betreten, sondern begreifen wollen. Und für Erwachsene, die bereit sind, sich einzugestehen, dass ein Spaziergang unter Buchen und Fichten noch lange nicht bedeutet, den Wald zu kennen. Zum Lesen, zum Raten, zum Mitnehmen auf die nächste Wanderung.