Wir gehen jeden Tag an ihnen vorbei. Die Linde am Straßenrand, die Eiche auf dem Dorfplatz, der Apfelbaum hinter dem Zaun – Bäume gehören so selbstverständlich zu unserer Umgebung, dass wir verlernt haben, sie wirklich zu sehen. Peter Rehfeldt nimmt uns mit auf einen Spaziergang zu den vertrauten und doch oft namenlosen Begleitern unseres Alltags. In Versen, die sich Zeit nehmen und trotzdem leichtfüßig daherkommen, erzählt er von Kastanie und Pappel, von Obstbäumen und alten Bekannten am Wegesrand. Hans-Peter Hecht hat dazu Buntstiftzeichnungen geschaffen, die den Blick für Rinde, Blatt und Krone öffnen.
Hinter dem Buch steht eine einfache Frage: Kennen wir eigentlich noch die Bäume, unter denen wir leben? Wissen wir, woher sie stammen, welche Früchte sie tragen, wer in ihren Zweigen wohnt? Bäume spenden Schatten und Sauerstoff, kühlen unsere Sommer und halten die Welt zusammen – doch in einer Zeit, die wenig Raum für das Naheliegende lässt, gerät dieses Wissen leise in Vergessenheit. Die Texte und Zeichnungen holen es zurück, ohne belehrend zu sein, mit Sorgfalt und einer ruhigen Freude am Genauen.
Ein Buch für kleine und große Lesende, die bereit sind, auf dem nächsten Spaziergang etwas langsamer zu gehen. Und vielleicht stehenzubleiben.