Ein kleines Herrenhaus am Rand von Gotha, umgeben von einem barocken Garten, in dem an Sommerabenden Quartettmusik erklingt – das Schlösschen Siebleben ist ein Ort, der seine Geschichte leise erzählt. Gisa Steguweit hört genau hin. Sie folgt den Spuren dieses Hauses vom klösterlichen Besitz über wechselnde Herrschaften bis zu den Menschen, die es im Lauf der Jahrhunderte bewohnten, prägten und schließlich vor dem Verschwinden bewahrten. Was als Mönchgut begann, wurde zum Musenhof – ein Ort, an dem sich Geist und Geselligkeit verdichteten.
Das Buch fragt, was es braucht, damit ein Gebäude mehr wird als Mauerwerk und Dachstuhl. Architektur überlebt nicht von selbst: Sie braucht Menschen, die in ihr etwas erkennen, das über den bloßen Nutzen hinausgeht. Steguweit stellt die Bewohnerinnen und Bewohner des Schlösschens vor, zeichnet ihr Wirken nach und macht dabei sichtbar, wie sich in einem einzigen Haus die Zeitläufte einer ganzen Region spiegeln – von der Reformation bis in die Gegenwart. Es ist auch eine Geschichte darüber, wie Verfall und Rettung oft näher beieinanderliegen, als man denkt.
Eine Lektüre für alle, die sich für Thüringer Kulturgeschichte jenseits der großen Residenzen interessieren und wissen wollen, welche Geschichten in den kleineren Häusern wohnen.