Dieses Buch ist kein klassisches Handballbuch und es ist auch keine Erfolgsgeschichte im üblichen Sinn.
Hans-Joachim Ursinus erzählt von einem Lebensweg auf der Überholspur: zwischen Ost und West, zwischen Erwartung und Realität, zwischen Führung und persönlicher Konsequenz.
Es war selten bequem, oft schnell, nicht immer willkommen. Entscheidungen wurden unter Druck getroffen, Loyalitäten geprüft, Wege selten vorgezeichnet.
Der Profihandball erscheint in diesem Buch nicht als Bühne, sondern als System : mit Macht, Abhängigkeiten, unausgesprochenen Regeln und verschlossenen Toren. Ursinus benennt Mechanismen, ohne Namen zu liefern und schildert Folgen, ohne anzurechnen. Viele Geschehnisse hätte ausführlicher erzählt werden können. Manches wurde jedoch bewusst ausgespart – aus Respekt vor sich selbst und anderen.
Gleichzeitig erzählt Verschlossene Tore von Bindung und Verantwortung. Der Eisenacher Handball ist dabei ein Markenzeichen dieses Weges: Die Entwicklung des Standorts von schwierigen Jahren bis zur nachhaltigen Etablierung steht exemplarisch für Aufbauarbeit, Klarheit und langfristige Wirkung. Die Ernennung zum Ehrenmitglied und die Aufnahme in die Hall of Fame markieren nicht den Endpunkt, sondern die Anerkennung eines Weges, der nicht immer bequem war.
Die Redaktion empfiehlt
Warum dieses Buch?
Warum lesen?
<p>Wir haben dieses Buch verlegt, weil es eine Lebensgeschichte erzählt, die weit über den Sport hinausreicht. Hans-Joachim Ursinus öffnet auf 464 Seiten ein Panorama deutsch-deutscher Wirklichkeit, in dem der Handball nicht bloß Kulisse ist, sondern Brennglas für Systemzwänge, Loyalitätskonflikte und die stille Beharrlichkeit eines Einzelnen. Es ist ein Buch, das zwei Gesellschaften vermisst – von der Halle aus, wo Siege und verschlossene Tore gleichermaßen zum Leben gehörten.</p>
Für wen?
<p>Dieses Buch richtet sich an Leserinnen und Leser, die sich für die Verwerfungen der deutschen Teilung interessieren, auch jenseits der großen politischen Bühne. Wer wissen will, was es bedeutete, als Sportler zwischen Ost und West zu existieren – mit allem, was dazugehört an Hoffnung, Enttäuschung und Neuanfang –, wird hier fündig. Handballkenntnis schadet nicht, ist aber keine Voraussetzung, denn im Kern geht es um eine Biographie, die exemplarisch für viele steht.</p>
Was ist besonders?
<p>Die besondere Stärke liegt in der Perspektive: Hier spricht kein Funktionär und kein Historiker, sondern jemand, der die Brüche am eigenen Leib erfahren hat und sie mit der Genauigkeit eines Menschen erzählt, dem man Jahrzehnte lang zugehört hat. Der Umfang des Buches zeugt davon, dass Ursinus nichts abkürzt und nichts glättet – die Widersprüche bleiben stehen. So entsteht ein Zeitdokument, das gerade durch seine subjektive Ehrlichkeit überzeugt.</p>