Bodo Ramelow – Gewerkschafter, Westdeutscher in Ostdeutschland, einziger Ministerpräsident der Linken – ist eine Figur, die sich Eindeutigkeiten entzieht. Johannes Maria Fischer unternimmt den Versuch, diesen widersprüchlichen Mann nicht auf eine Linie zu bringen, sondern ihn in seinen Brüchen ernst zu nehmen. Dafür verlässt er den gewohnten Pfad der politischen Biografie und erzählt multiperspektivisch: aus der Nähe und aus der Distanz, aus dem subjektiven Erleben und aus den Strukturen, die ein Leben formen.
Was dabei sichtbar wird, reicht weit über die Person hinaus. In Ramelows Weg – von der westdeutschen Provinz über die Wendejahre bis in die Staatskanzlei in Erfurt – verdichten sich Fragen, die das vereinigte Deutschland bis heute nicht beantwortet hat. Was bedeutet Macht, wenn man aus einer Partei kommt, der viele sie nicht zugestehen wollen? Wie verändert Regierungsverantwortung einen Menschen, der aus dem Widerspruch kommt? Fischer zeichnet das Spannungsfeld zwischen Strategie und Zufall, zwischen politischem Kalkül und den Momenten nach, in denen eben doch der Kragen platzt.
Eine Biografie für alle, die sich für die Mechanismen deutscher Politik interessieren – und dafür, was sie mit denen macht, die sich ihr aussetzen. Kein Denkmal, keine Abrechnung, sondern der Versuch, Vielschichtigkeit auszuhalten.