Bert Lichtenheldt war DDR-Diplomat im Nahen Osten – einer jener Menschen, über deren Alltag, Überzeugungen und Widersprüche nach 1990 kaum noch jemand sprach. In seinen Erinnerungen zeichnet er den Weg nach, der ihn dorthin führte: von der Kindheit über Schule und Armee, durch die Ausbildung in den diplomatischen Dienst eines Staates, den es nicht mehr gibt. Und er erzählt weiter, dorthin, wo die meisten Rückblicke aufhören – in die Jahre danach, in eine zweite Karriere in der privaten Wirtschaft, in ein Leben, das sich noch einmal grundsätzlich neu sortieren musste.
Wer wurde in der DDR Diplomat, und warum? Was trieb diese Leute an – Überzeugung, Neugier, Pflichtgefühl, die Aussicht auf Welt? Lichtenheldt weicht solchen Fragen nicht aus und nimmt auch bei den heiklen Themen kein Blatt vor den Mund: Wende, deutsche Einheit, Russland. Was dabei entsteht, ist keine Apologie und keine Abrechnung, sondern der Versuch eines Menschen, die Schichten seines eigenen Lebens freizulegen – mit der Genauigkeit dessen, der weiß, dass Erinnerung immer auch eine Form von Verantwortung ist.
Ein Buch für alle, die sich für die gelebte Geschichte der DDR jenseits der geläufigen Erzählungen interessieren – und dafür, was aus Biografien wird, wenn der Staat verschwindet, der sie geformt hat.