Thüringen ist ein Land, das seit Jahrhunderten Geschichten hervorbringt – nicht die gefälligen, sondern die unbequemen, die rätselhaften, die dunklen. Sagen von Zwergen und Riesen, von Feen und Hexen, von Jägern, Bauern und Fürsten, von schönen Mädchen und frechen Buben. Klaus Fischer hat einige dieser alten Erzählungen aufgegriffen und frei nacherzählt, in einer Sprache, die sich dem Stoff anvertraut, ohne ihn zu musealisieren. Peter Muzenieks Illustrationen begleiten die Texte mit einer eigenen, stillen Bildwelt.
Wer Sagen nur für Unterhaltung hält, unterschätzt sie. In ihnen verdichtet sich, was eine Gemeinschaft umtreibt: Liebe und Hass, Großmut und Gier, die Frage nach Gerechtigkeit in einer Welt, die selten gerecht ist. Sie erzählen von Hilfsbereitschaft und Selbstzweck, von Armut und Reichtum – und davon, dass die Grenze zwischen Gut und Böse nie dort verläuft, wo man sie vermutet. Dass diese Geschichten in Thüringen spielen, ist kein Zufall: Sie sind an bestimmte Orte gebunden, an Berge, Flüsse, Burgruinen, und sie tragen die Erinnerung derer weiter, die dort gelebt haben.
Ein Buch für alle, die wissen, dass alte Geschichten nicht alt werden, solange jemand sie neu zu erzählen versteht – und solange jemand bereit ist, ihnen zuzuhören.