Cover: Der Mittelaltermann – Urians leutlich Erlebtes

Der Mittelaltermann – Urians leutlich Erlebtes

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Wo Wahrheit und Flunkerei ununterscheidbar ineinanderfließen, erwacht ein mitteldeutsches Stück Welt mit all seiner derbdrolligen Würde zum Leben.

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Urian kennt sich aus in den Gassen und Winkeln rund um Jenas Schnapphans, jene sagenumwobene Figur am Rathausturm, die seit Jahrhunderten nach einer Kugel schnappt und dabei zusieht, was sich unten in der Stadt so zuträgt. Und es trägt sich einiges zu: derbdrollige Begebenheiten, unerhörte Geschichten aus alten mitteldeutschen Zeiten, erzählt mit jener Mischung aus Augenzwinkern und Unverfrorenheit, die man von den großen Schwanktraditionen kennt. Sittsam, wo es sein muss, offen, wo es nötig ist – und so wahrhaftig, wie eben nur gut Gesponnes und ehrlich Geflunkertes sein kann.

Was hier als literarische Eulenspiegelei daherkommt, ist zugleich eine Vergegenwärtigung von Geschichte, die sich in keinem Schulbuch findet. Die sagenhaften Tatsachen, die Klaus Maria Fischer zusammenträgt, graben tiefer als das bloße Amüsement: Sie fragen danach, was vom Alltag vergangener Jahrhunderte bleibt, wenn man es nicht den Chronisten überlässt, sondern einem Erzähler, der das Leutliche sucht – das Menschliche im besten, auch im doppelbödigen Sinne. Peter Muzenieks Titelgrafiken und ein sachlicher Anhang rahmen die Geschichten ein, ohne ihnen die Luft zu nehmen.

Ein Buch für alle, die Thüringer Überlieferung jenseits frommer Heimatpflege lesen wollen – und die wissen, dass die besten Geschichten einer Gegend oft jene sind, die man sich eigentlich nicht in feiner Gesellschaft erzählt.

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