Ein Name, den die Geschichtsschreibung beider deutscher Staaten lange verschwiegen hat: Pfaff. Heike Gundlach zeichnet auf fast sechshundert Seiten das Leben eines Kommunisten nach, der gegen den Nationalsozialismus kämpfte – und das seiner Familie, die über Generationen hinweg an der Idee einer gerechteren Gesellschaft festhielt. Was als politische Biografie beginnt, weitet sich zu einem dichten Familienporträt: Eheleute, Kinder, Enkel, ihre Freuden, ihre Verluste, ihr Weitermachen. Die Autorin hat gesammelt, befragt, rekonstruiert – bevor die letzten Stimmen, die davon erzählen können, verstummen.
Das Buch stellt dabei eine Frage, die über seinen konkreten Gegenstand hinausreicht: Was bleibt von einem Leben, das sich politischen Idealen verschrieben hat, wenn die offiziellen Erzählungen es nicht aufbewahren? Gundlach vertraut weder auf die große Geschichtsschreibung noch auf nachträgliche Verklärung. Sie legt offen, was sie gefunden hat – Dokumente, Erinnerungen, Widersprüche. So entsteht ein Buch, das den Verschwiegenen nicht zum Helden stilisiert, sondern ihm und den Seinen ihre Wirklichkeit zurückgibt.
Eine Lektüre für alle, die sich für die politischen Biografien des zwanzigsten Jahrhunderts interessieren, die jenseits der bekannten Narrative liegen – und für jene, die wissen, dass Familiengeschichte immer auch Zeitgeschichte ist.