1929 verlassen Ella, Willy und ihr kleiner Sohn Heiny Thüringen, weil die Wirtschaftskrise ihnen jede Grundlage nimmt. Im Elsass finden sie Arbeit und Unterkunft, drei weitere Kinder werden geboren, die Familie fasst Fuß in einer Welt, die bald darauf in sich zusammenfällt. Willy wird zur Zwangsarbeit verschleppt, Ella kämpft um seine Freilassung – und bekommt einen kranken Mann zurück, der wenig später stirbt. Sohn Heiny fällt im Krieg. Albert, der Ella und den Kindern Halt gibt, wird einen Tag vor der geplanten Hochzeit bei einem Tieffliegerangriff getötet, mit ihm der jüngste Sohn. Ella und ihre Töchter überleben schwer verletzt. Was bleibt, ist die Aufgabe, aus den Trümmern noch einmal ein Leben zu errichten.
Odette Jaqueline Langbein erzählt gemeinsam mit Co-Autorin Yvonne Gerngroß die Geschichte ihrer eigenen Familie – einer Familie, der das Schicksal mit einer Härte zusetzte, die kaum erträglich scheint. Doch das Buch verweigert sich dem bloßen Erleiden. Es fragt danach, woher eine Frau wie Ella die Kraft nahm, nach jedem Verlust wieder aufzustehen, und was es bedeutet, Verantwortung für Kinder zu tragen, wenn ringsum alles zerbricht. Die Schauplätze zwischen Geratal und Elsass erzählen dabei auch von den Verwerfungen, die das 20. Jahrhundert über ganz gewöhnliche Menschen brachte – über Grenzen, Sprachen und Zugehörigkeiten hinweg.
Ein Buch für alle, die sich für gelebte Geschichte jenseits großer Schlachtfelder und Konferenztische interessieren: für das, was Krieg, Vertreibung und Verlust mit einer einzelnen Familie machen – und für die stille, unbeirrbare Entschlossenheit, die manchmal das Einzige ist, was übrig bleibt.