Annette hat sich eingerichtet in ihrem Hamburger Ruhestand, zwischen Familie, Gewohnheit und dem stillen Einverständnis, bestimmte Dinge ruhen zu lassen. Doch als ihre Enkeltochter beim Stöbern im Schrank eine alte Ledermappe findet und kurz darauf ein Kommissar vom LKA vor der Tür steht, der Fragen zu einem Buch vom Schlachthof Gotha stellt – gefunden bei einem Toten –, bricht die Vergangenheit mit einer Wucht in Annettes Gegenwart ein, der sie nichts entgegensetzen kann. Eine Reise nach Bamberg endet beinahe tödlich, eine alte Freundin namens Elke taucht wieder auf, und gestohlene Gemälde führen in Zusammenhänge, die Annette längst für begraben hielt.
Birgit Seeber erzählt von den langen Schatten, die Vergangenheit wirft, wenn man sich weigert, sie anzusehen. Was geschah damals in Gotha, und warum reicht es bis in die Gegenwart? „Morgenlicht" ist ein Roman über die Zumutung des Erinnerns, über Schuld und Verwicklung, über das, was in alten Mappen und alten Freundschaften verborgen liegt – und darüber, dass Abschließen mit der Vergangenheit manchmal erst möglich wird, wenn man sie noch einmal ganz aufschließt.
Ein Buch für Leserinnen und Leser, die Spannung nicht nur im Tempo suchen, sondern in den Rissen, die durch Biografien gehen.