Oberschwaben, 1750. An der Pforte der Wallfahrtskirche auf dem Berg Bussen liegt ein neugeborenes Mädchen. Die Nonnen nehmen es auf, taufen es Maria Leopoldine und ziehen es im Kloster Heiligkreuztal groß. Dort wird sie zur Heilerin ausgebildet, dort findet sie eine Welt, die in sich geschlossen scheint und Sicherheit verspricht. Bis der Bischof von Passau sie auf ein Schiff der Schwabenflotte ruft, die Kriegsveteranen auf der Donau ins Banat bringt. An Bord begegnet sie dem Harzgeroder Arzt Andreas Fritz – und dem Hofrat von Colloredo, dessen Erscheinen alles ins Wanken bringt. Denn eine Kette, die man einst beim Findelkind fand und die ihr die Äbtissin zum Abschied aushändigte, wird zum Gegenstand eines Verdachts, der Maria Leopoldines Leben von Grund auf verändert.
Hinter der Abenteuererzählung steckt eine Frage, die tiefer reicht: Was bedeutet Herkunft für jemanden, dem man sie vorenthalten hat? Maria Leopoldine glaubt in der Kette eine Spur zu ihren Wurzeln zu erkennen – doch diese Spur führt nicht in die Geborgenheit, sondern in Gefahr. Der Roman entfaltet das achtzehnte Jahrhundert entlang der Donau als einen Raum, in dem Klostermauern, Flusslandschaften und die Ränder des Habsburgerreichs aufeinandertreffen. Zwischen Heilkunst und Verdächtigung, zwischen geistlichem Leben und weltlicher Verstrickung muss eine junge Frau ihren eigenen Weg finden – ohne zu wissen, woher sie kommt.
Ein Buch für Leserinnen und Leser, die historische Romane schätzen, in denen die Epoche nicht bloß Kulisse ist, sondern die Handlung formt. Und die sich für die Lebensrealität von Frauen interessieren, deren Schicksal von Institutionen bestimmt wurde – und die sich dennoch nicht darin erschöpften.