Moskau, 1829: Alexander von Humboldt begegnet einer jungen Frau, die in drei Sprachen dichtet und deren Übersetzungen russischer Lyrik ins Deutsche und Französische schon bald Aufsehen erregen werden. Karolina Pavlova, geboren 1807 in Jaroslawl, aufgewachsen im geistigen Klima der Moskauer Salons, wird zur Mittlerin zwischen den Literaturen – und bleibt doch in keiner Welt ganz zu Hause. Ihr Weg führt aus Russland ins Exil, über Dresden schließlich nach Thüringen, wo sie die letzten Jahrzehnte ihres Lebens verbringt, weitgehend vergessen von der literarischen Öffentlichkeit, die sie einst gefeiert hatte.
Gisa Steguweit zeichnet ein Leben nach, das sich an den Bruchlinien zwischen Sprachen, Kulturen und Epochen entfaltet. Pavlovas Biographie wirft Fragen auf, die über das Einzelschicksal hinausreichen: Was bedeutet es, als Dichterin zwischen zwei Literaturen zu stehen, von beiden beansprucht und von keiner wirklich getragen? Wie verändert das Exil den Blick auf die eigene Sprache, das eigene Werk? Und warum geriet eine Autorin, deren Doppelbegabung als Dichterin und Übersetzerin ihresgleichen suchte, so gründlich in Vergessenheit, dass selbst ihr Thüringer Lebensort kaum mehr an sie erinnert?
Ein Buch für Leserinnen und Leser, die sich für die weniger ausgeleuchteten Räume der deutsch-russischen Kulturgeschichte interessieren – und für die stille Beharrlichkeit einer Frau, die im Schreiben bestand, als längst niemand mehr danach fragte.