Arnold Dodel, Professor für Botanik an der Universität Zürich, schrieb diese Monografie zwei Jahre vor seinem Tod – als Bilanz einer lebenslangen Auseinandersetzung mit Ernst Haeckel. Nicht den Zoologen, nicht den Künstler, nicht den Weltreisenden stellt er dabei in den Mittelpunkt, sondern den Erzieher: jenen Haeckel, der Arbeiter und Professoren gleichermaßen erreichte, der komplexes Denken anschaulich machte und die Naturwissenschaft als Bildungssache verstand. Eine vergleichbare Darstellung dieser pädagogischen Wirkungsgeschichte hat es weder vorher noch nachher gegeben.
Was Dodel zusammenträgt – Briefe, Schriftstücke, zeitgenössische Stimmen –, wirft eine Frage auf, die weit über Haeckels Epoche hinausreicht: Wie gelingt es einem Wissenschaftler, nicht nur Erkenntnis zu gewinnen, sondern sie so zu vermitteln, dass sie Menschen verändert? Haeckel polarisierte, er forderte heraus, und genau darin lag seine erzieherische Kraft. Die Herausgeber Karl Porges, Uwe Hoßfeld und Thomas Hoppe haben den Text für diese zweite, erweiterte Ausgabe mit Anmerkungen versehen, die ihn in seinen wissenschaftshistorischen Zusammenhang stellen und zugleich kritisch einordnen.
Ein Buch für alle, die sich mit Wissenschaftsvermittlung, Bildungsgeschichte und der Frage beschäftigen, was Naturwissenschaft jenseits des Labors bewirken kann – und was es bedeutet, wenn ein Forscher das Lehren nicht als Nebengeschäft betrachtet, sondern als Kern seiner Arbeit.