Es gab eine Zeit, da leuchtete Thüringen blau. Nicht vom Himmel her, sondern von den Feldern: Der Färberwaid, eine unscheinbare Pflanze, machte Städte wie Erfurt, Arnstadt und Gotha zu Drehscheiben des europäischen Farbhandels. Aus dem Kraut gewannen Bauern und Färber ein Pulver, das Stoffe in ein tiefes, kostbares Blau tauchte – das sogenannte Erfurter Blau. Vier Geschichten zwischen Märchen und Sage erzählen von dieser Welt: von Handwerkern und Händlern, von Wohlstand und Festfreude, von Traditionen, die das Land über Jahrhunderte prägten.
Heike F. M. Neumann folgt den Spuren des Waid wie einer Spur ins Innere Thüringer Kulturgeschichte. Ihre Erzählungen greifen alte Stoffe auf und verweben sie neu – nicht als historische Abhandlung, sondern im Ton des Sagenhaften, das Wirkliches und Wunderbares nicht voneinander trennen will. Die Illustrationen von Dagmar Lüke begleiten die Texte mit eigener Bildsprache. So entsteht ein schmales, aber dichtes Buch, das eine fast vergessene Pflanze und die Welt, die sie hervorbrachte, noch einmal sichtbar macht.
Ein Buch für alle, die Thüringer Geschichte jenseits der großen Daten suchen – in Geschichten, die man vorlesen, nacherzählen und weiterdenken kann. Für Erwachsene wie für ältere Kinder, die Freude daran haben, wenn ein Stück Vergangenheit in Erzählung verwandelt wird.