Eine Froschprinzessin, die keine Prinzessin sein will. Ein Krokodil, das nicht so gefährlich ist, wie alle behaupten. Und zwischen beiden eine Geschichte, die sich nicht an das hält, was Märchen versprechen. Heike F. M. Neumann erzählt von Gestalten, die aus der Rolle fallen – im wörtlichen Sinn. Ihre Figuren bewegen sich durch eine Welt, in der die alten Zuschreibungen nicht mehr tragen, in der aber auch die neuen noch nicht gefunden sind. Was bleibt, ist der Weg selbst, und der führt nicht geradeaus.
Hinter der märchenhaften Oberfläche verhandelt dieses Buch eine sehr gegenwärtige Frage: Was geschieht mit uns, wenn die Erzählungen, in die wir hineingeboren wurden, nicht mehr stimmen? Wenn die Haut, die man uns gegeben hat, nicht die eigene ist? Neumann schreibt mit leiser Genauigkeit über Verwandlung, über das Unbehagen an fertigen Identitäten und über den Mut, den es kostet, eine eigene Form zu finden – oder vorläufig ohne auszukommen.
Ein Buch für Leserinnen und Leser, die Märchen nicht für harmlos halten. Und die wissen, dass die besten Geschichten dort beginnen, wo die vertrauten aufhören.