Rumpel und Pumpel, zwei kugelrunde Müller, leben friedlich nebeneinander, jeder mit seiner Mühle, seiner Familie, seiner Kundschaft. Es könnte so bleiben. Doch eines Tages beginnt ein Wettstreit, der harmlos anmutet und bald alles verschlingt: Wer ist der schönste, der stärkste, der reichste Müller am Ort? Wer ist überhaupt der einzig wahre? Aus Nachbarn werden Rivalen, aus Rivalen Feinde. Die Mühlen stehen still, Rüstungen werden geschmiedet, Waffen gezückt – und während die beiden Dicken sich bekriegen, droht ringsum Hungersnot. Dass dann auch noch eine Horde bösartiger Zwerge auftaucht, macht die Lage nicht einfacher.
Ludwig Bechstein hat diesen Stoff 1845 als Märchen veröffentlicht, und man wünschte sich, er wäre seither in die Jahre gekommen. Ist er nicht. Die Geschichte von zwei Landsleuten, die ohne Not vom Einvernehmen in die Feindschaft taumeln, liest sich mit Blick auf die Gegenwart so beklemmend wie eh und je. Diese Neufassung erzählt den alten Stoff frei nach, mit Witz und Augenzwinkern, ohne ihm die Schärfe zu nehmen. Denn hinter dem Humor steckt eine einfache, unbequeme Frage: Wie schnell wird aus einem albernen Kräftemessen bitterer Ernst – und wer zahlt am Ende den Preis dafür?
Ein Buch für große und kleine Leute, die Märchen nicht nur als Gute-Nacht-Geschichten begreifen, sondern als das, was sie im besten Fall sind: Erzählungen, die etwas über uns verraten, das wir lieber nicht hören wollen.