Cover: Der knorrige Baum

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Der knorrige Baum

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Sechzehn Silben schweigen, eine spricht – in diesem Buch über Thüringen begegnet man der Zeit selbst.

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Siebzehn Silben, drei Zeilen, ein Augenblick. Das Haiku, diese knappste aller lyrischen Formen, zwingt den Blick auf das Wesentliche: einen Moment, der sich nicht festhalten lässt und gerade deshalb festgehalten werden will. Stefan Wogawa und Karl Porges haben solche Momente in der Thüringer Landschaft gesucht und gefunden – im Wechsel der Jahreszeiten, im Licht auf einem Feld, im Geräusch, das der Winter macht, wenn er geht. Ihre Haiku folgen dem klassischen Formprinzip aus fünf, sieben und fünf Silben und stehen damit in der Tradition einer Dichtung, die vor Jahrhunderten in Japan entstand.

Was geschieht, wenn eine so strenge, so stille Form auf eine konkrete Gegend trifft? Die Gedichte in diesem Band sind keine Naturlyrik im dekorativen Sinne. Sie beobachten genau, und in dieser Genauigkeit liegt ihre Kraft. Ein knorriger Baum ist kein Symbol, sondern zunächst einmal ein knorriger Baum – und dann, im Gelingen des Gedichts, etwas, das über sich hinausweist, ohne dass man sagen müsste, wohin. Das Haiku stellt keine Fragen und gibt keine Antworten. Es zeigt. Wer sich darauf einlässt, merkt, wie viel Raum in siebzehn Silben sein kann.

Ein Buch für alle, die wissen, dass Kürze keine Bescheidenheit ist, sondern eine Zumutung im besten Sinne – an den Schreibenden wie an den Lesenden. Und für alle, die Thüringen nicht als Kulisse brauchen, sondern als Ort, an dem sich hinschauen lohnt.

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