Er war Arzt, Ornithologe, Naturforscher und Geschäftsmann – und er verschwand beinahe vollständig aus der Erinnerung. Reinhold Bernhard Brehm, 1830 in Renthendorf geboren, zweiter Sohn des „Vogelpastors" Christian Ludwig Brehm und jüngerer Bruder des berühmten Alfred Edmund Brehm, ging seinen eigenen Weg: Nach einer gemeinsamen Forschungsreise mit Alfred auf die Iberische Halbinsel verliebte er sich in eine Spanierin und in das Land, siedelte nach Spanien über, praktizierte dort als Arzt und widmete sich zugleich der ornithologischen Forschung. Neue Vogelarten, die er entdeckte, wurden von Vater und Bruder beschrieben – unter deren Namen. 1891 starb Reinhold in Barcelona, sein Grab auf dem Friedhof Montjuïc geriet in Vergessenheit.
Dieses Buch stellt die Frage, wie ein vielseitig begabter Forscher so gründlich im Schatten seiner Familie verschwinden konnte – zu Lebzeiten und erst recht danach. Die Autoren haben in deutschen und spanischen Archiven nach Spuren gesucht, das vergessene Grab wiederentdeckt und Reinholds wissenschaftliches Schaffen erstmals zusammenhängend aufgearbeitet. Dabei entsteht nicht nur das Porträt eines einzelnen Mannes, sondern auch ein Bild davon, wie Wissenschaftsgeschichte ihre Ränder beschneidet und welche Leistungen dabei verloren gehen.
Ein Buch für alle, die sich für Naturforschung im 19. Jahrhundert interessieren, für die Geschichte der Familie Brehm jenseits des großen Namens – und für die Frage, was es bedeutet, wenn Wissen und Lebenswerk eines Menschen beinahe spurlos verschwinden.