Matthias Biskupek hat über dreizehn Jahre ein Online-Tagebuch geführt – mehr als 3000 Einträge, in denen der Rudolstädter Schriftsteller und Kabaretttexter das politische und literarische Leben kommentierte, Zeitgenossen porträtierte und den Zeitgeist mit jener Mischung aus Schärfe und Selbstironie konterte, die seinen Ton unverwechselbar machte. Aus diesem Fundus hat Landolf Scherzer die Texte ausgewählt, die über den Tag hinaus tragen: Beobachtungen aus Thüringen und darüber hinaus, Erinnerungen an Weggefährten, Seitenhiebe auf die Gegenwart, geschrieben zwischen 2008 und dem Todesjahr 2021.
Was dabei entsteht, ist mehr als eine Sammlung von Gelegenheitstexten. Es ist eine Chronik der Widersprüche, die das vereinigte Deutschland begleiten – festgehalten von einem, der sich weder zum Nostalgiker noch zum Anpasser machen ließ. Biskupek schrieb zupackend, parodistisch, manchmal zärtlich, und er traute seinen Lesern zu, zwischen den Zeilen mitzudenken. Seine Einträge fragen, oft beiläufig und gerade deshalb eindringlich: Was bleibt von einer Haltung, wenn sich die Verhältnisse ändern? Und was von einem Witz, der einmal die Wahrheit sagte?
Ein Buch für alle, die Biskupeks Stimme kennen und vermissen – und für jene, die sie hier zum ersten Mal hören. 328 Seiten, die zeigen, dass ein guter Satz kein Verfallsdatum braucht.