In Sitzungssälen wird diskutiert, vertagt, verwaltet – und nicht selten ein totes Pferd geritten, als ließe es sich durch einen neuen Sattel wiederbeleben. Stefan Wogawa kennt diese Sitzungssäle. Er kennt die Rituale, die Ausweichmanöver, die kleinen und großen Absurditäten kommunalpolitischen Alltags. In diesem schmalen, pointierten Buch legt er indianische Weisheiten neben die Wirklichkeit deutscher Gemeinderäte, Kreisverwaltungen und Ausschüsse – und stellt fest: Die Diagnosen aus einer ganz anderen Kultur treffen mit erstaunlicher Präzision.
Das Buch fragt, warum wir an Strukturen festhalten, die längst nicht mehr tragen. Warum Kommissionen gegründet werden, um den Zustand toter Pferde zu untersuchen, statt abzusteigen. Warum Verwaltungssprache oft dazu dient, die Abwesenheit von Entscheidungen zu kaschieren. Wogawa schreibt dabei nicht als Zyniker, sondern als jemand, dem an funktionierender Demokratie auf der untersten, der greifbarsten Ebene gelegen ist. Gerade dort, wo Politik konkret wird – bei Bauvorhaben, Haushaltsplänen, Bürgerfragen –, zeigt sich, ob Sprache noch etwas bedeutet oder nur noch Geräusch ist.
Ein Buch für alle, die in Kommunalparlamenten sitzen, dort schon einmal gesessen haben oder sich fragen, warum die Dinge vor Ort so laufen, wie sie laufen. Und für alle, die wissen, dass 76 Seiten manchmal mehr sagen als 400.