Cover: Vorlesungen über Menschliche Anatomie

Vorlesungen über Menschliche Anatomie

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Ein Studentenheft aus dem Wintersemester 1865/66 bewahrt, was Carl Gegenbaur einst an die Tafel zeichnete – festgehalten von einer Hand, die später selbst Wissenschaftsgeschichte schreiben sollte.

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Im Wintersemester 1865/66 sitzt ein junger russischer Student in Jena und schreibt mit. Nikolai Nikolajewitsch Miklucho-Maclay, später als Naturforscher und Ethnograph bekannt, hört die Vorlesungen Carl Gegenbaurs über menschliche und vergleichende Anatomie. Was er festhält – 134 Doppelseiten, dicht beschrieben, durchsetzt mit anatomischen Zeichnungen –, ist mehr als eine studentische Mitschrift. Es ist ein Dokument, das den Hörsaal jener Jahre öffnet: die Tafelbilder, die Systematik, den Duktus eines Lehrers, der die Anatomie gerade neu dachte.

Gegenbaurs Vorlesungen markieren einen Wendepunkt in der Geschichte der Anatomie. Er verband die Beschreibung des menschlichen Körpers mit dem vergleichenden Blick auf die Tierwelt und legte damit Grundlagen, die bis heute nachwirken. Miklucho-Maclays Mitschrift, aufbewahrt im Archiv der Russischen Geographischen Gesellschaft in St. Petersburg, macht erstmals sichtbar, wie diese Inhalte im Hörsaal vermittelt wurden – ungefiltert, in der Unmittelbarkeit des gesprochenen Wortes und der Kreidezeichnung. Ein Autorenteam aus Wissenschaftsgeschichte und Anatomie hat das schwer lesbare Manuskript erschlossen und in seinen Kontext gestellt.

Ein Buch für alle, die sich für die Geschichte der Lebenswissenschaften interessieren, für das Verhältnis von Lehre und Forschung im 19. Jahrhundert und für zwei Biografien, die sich in einem Jenaer Hörsaal kreuzten – bevor ihre Wege in ganz verschiedene Weltgegenden führten.

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