Nepal, das Annapurna-Massiv, eine mehrwöchige Trekkingtour durch eine Landschaft, die den Menschen auf das Wesentliche zurückwirft. Gerhard Hörselmann nimmt die Leser mit auf eine Umrundung des Annapurna – durch Dörfer, in denen das Leben sich auf das Notwendige beschränkt, über Pässe, auf denen die Luft knapp wird, und durch eine politische Lage, die jederzeit kippen kann. Denn die Reise fällt in die Zeit des maoistischen Aufstands, als in den Bergen bewaffnete Konfrontationen zwischen Rebellen und Armee drohen. Dass die Gruppe den berüchtigten Thorong La-Pass überquert und heil zurückkehrt, verdankt sie nicht zuletzt den Sherpas Mingma und Mindu, deren Erfahrung und Besonnenheit in der Abgeschiedenheit den Unterschied machen.
Was als Reisetagebuch beginnt, wird unterwegs zu etwas anderem. Die Begegnung mit Menschen, die in äußerster Kargheit eine Gelassenheit bewahren, die dem westlichen Besucher fremd geworden ist, wirft Fragen auf, die sich nicht mit der Rückkehr erledigen. Was braucht ein Leben wirklich? Und was verrät die eigene Rastlosigkeit über das, was fehlt? Hörselmann schreibt persönlich, bildhaft und ohne die Pose des Abenteurers – ein Buch, das die Stille der Berge ernst nimmt und den Kontrast zu unserer Überflussgesellschaft nicht als These behauptet, sondern als Erfahrung beschreibt.
Ein Buch für alle, die wissen, dass Reisen kein Abhaken von Zielen ist, sondern eine Veränderung des Blicks. Und für jene, die sich fragen, ob Verzicht nicht manchmal der kürzere Weg zur Klarheit sein kann.