Ab November 1944 entstand im Jonastal bei Ohrdruf ein Stollensystem, über dessen Zweck bis heute Gerüchte kursieren. Was dort gebaut wurde, wer dort starb und warum – das blieb jahrzehntelang überlagert von Spekulationen. Doch hinter den Legenden liegt ein konkreter Ort, an dem Tausende KZ-Häftlinge unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit leisteten. Klaus-Peter Schambach rückt diesen Ort ins Licht der Quellen: Fotos, Zeitzeugenberichte, Dokumente aus der Forschung. Sein Buch ist ein Tatortbericht im wörtlichen Sinn.
Im Zentrum steht eine bisher kaum beachtete Tatsache: Das Außenkommando S III des Konzentrationslagers Buchenwald wurde rund zwei Monate weitgehend eigenständig verwaltet – in Thüringen existierten damit zeitweilig drei voneinander unabhängige Konzentrationslager. Schambach untersucht nicht nur das Nord- und Südlager Ohrdruf, sondern widmet sich auch den wenig dokumentierten Außenlagern Crawinkel und Espenfeld. Er fragt nach den Hintergründen des Bauvorhabens, nach der Planung eines Führerhauptquartiers und danach, was die Alliierten bei ihrer Ankunft tatsächlich vorfanden. Die Darstellung trennt Nachweisbares von Spekulation – nüchtern, quellengestützt, ohne die Schwere des Gegenstands zu glätten.
Ein Buch für alle, die sich mit der Geschichte der Konzentrationslager in Thüringen, mit Zwangsarbeit und unterirdischer Rüstungsproduktion auseinandersetzen wollen – jenseits der Gerüchte, auf dem Boden der Belege.