Ein Mord, der aufgeklärt wird, öffnet die Tür zum nächsten Auftrag: Fritz von der Dün, preußischer Rittmeister mit einem Gespür für die Abgründe hinter den Kulissen der Macht, soll die entführte Tochter des Kriegsministers finden und zurückbringen. Die Spur führt ihn aus den Salons und Kasernen des Kaiserreichs bis nach Kamerun – in eine Welt, die sich den Kategorien preußischer Ordnung entzieht. Dort begegnet er Naiyih, und was als militärischer Auftrag beginnt, wird zu etwas, das sich nicht mehr kommandieren lässt. Der zweite Teil von Otto-Kurt-Dieter Hesses Reihe erzählt auf knapp 400 Seiten ein Stück Kolonialgeschichte, das sich im Schicksal eines einzelnen Mannes verdichtet – bis zu jenem 24. September 1888, an dem seine Geschichte endet.
Hinter dem Abenteuerroman steckt eine Frage, die das späte 19. Jahrhundert durchzieht und bis heute nicht erledigt ist: Was geschieht mit einem Menschen, der im Dienst einer Macht steht, deren Ansprüche er in der Fremde nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren kann? Fritz von der Dün ist kein Held wider Willen und kein später Kolonialkritiker – er ist ein Mann seiner Zeit, der an den Widersprüchen dieser Zeit zerbricht. Dass er ausgerechnet dort, wo das Kaiserreich seinen Zugriff ausdehnt, die Liebe findet, ist kein Zufall, sondern der eigentliche Konflikt des Buches.
Ein Roman für Leserinnen und Leser, die historische Stoffe nicht als Kostümfest, sondern als Auseinandersetzung mit der Vergangenheit begreifen. Wer den ersten Teil kennt, wird Fritz von der Dün hier wiederfinden – verändert, in Bewegung, auf dem Weg in ein Ende, das von der ersten Seite an feststeht und dennoch nicht gleichgültig lässt.