Roland Wolf war Zivilrichter – erst in der DDR, dann im wiedervereinigten Deutschland. Fast vierzig Jahre lang hat er Recht gesprochen, in zwei Systemen, nach zwei Gesetzbüchern, vor Menschen, deren Lebenswirklichkeit sich über Nacht verändert hatte. In diesem Buch erzählt er von den Fällen, die seinen Alltag bestimmten: Streitigkeiten um Eigentum, Verträge, Ansprüche – gewöhnliche Zivilsachen, die in der Umbruchzeit nach 1989 alles andere als gewöhnlich waren. Denn wo sich eine ganze Rechtsordnung auflöst und eine neue an ihre Stelle tritt, wird jeder Alltagsfall zum Dokument einer Zeitenwende.
Was geschieht, wenn Gesetze verschwinden, auf deren Grundlage Menschen Entscheidungen getroffen haben? Wenn Eigentumsverhältnisse, die Jahrzehnte galten, plötzlich in Frage stehen? Wolf zeigt an konkreten Fällen, was die Wende für jene bedeutete, die vor Gericht um ihr Recht stritten – und für den Richter, der zwischen alten Lebenswirklichkeiten und neuen Normen urteilen musste. Sein Buch ist keine juristische Abhandlung, sondern eine Erzählung aus der Mitte des Rechtsalltags, dort, wo abstrakte Systemfragen ganz konkret in das Leben einzelner Menschen eingreifen.
Ein Buch für alle, die sich dafür interessieren, was die deutsche Wiedervereinigung jenseits der großen politischen Erzählung bedeutet hat – im Kleinen, im Konkreten, vor Gericht. Und für jene, die wissen wollen, wie es sich anfühlt, in zwei Rechtssystemen nach Gerechtigkeit zu suchen.