Ernst Haeckel – Mediziner, Zoologe, Philosoph, Künstler, Forschungsreisender und wohl einer der letzten Universalgelehrten – prägte als „Deutscher Darwin" die Biologie des späten 19. Jahrhunderts wie kaum ein anderer. Sein Werk reicht weit über die Zoologie hinaus, es berührt Weltanschauung, Pädagogik, Ästhetik und Philosophie. Doch was geschah mit diesem Erbe, als es in die Hände eines Staates geriet, der sich eine materialistische Weltsicht zur Doktrin gemacht hatte?
Dieses Buch untersucht, wie die DDR über vier Jahrzehnte hinweg Ernst Haeckel wahrnahm, deutete und für sich in Anspruch nahm – trotz seines durchaus ambivalenten Verhältnisses zur Sozialdemokratie und zum Sozialismus. Von der Arbeit wissenschaftlicher Institutionen über Schulbücher und Belletristik, von der Tagespresse bis zur Fischerei-Forschung, von Gedenkveranstaltungen bis zu staatlichen Auszeichnungen: Die Studie verfolgt die Spuren des haeckelschen Erbes in ganz unterschiedlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens und macht dabei sichtbar, wie ein Staat sich eines komplexen wissenschaftlichen Vermächtnisses bedient, es formt und einpasst – und wo dieses Vermächtnis sich solcher Zurichtung entzieht.
Eine Arbeit an der Schnittstelle von Wissenschaftsgeschichte, DDR-Forschung und Rezeptionsgeschichte, die all jenen etwas zu sagen hat, die sich für das Nachleben großer Ideen in wechselnden politischen Ordnungen interessieren.