Anna hat sich in Schwaben eingerichtet, hat ein Unternehmen aufgebaut, hat Fuß gefasst in einer Welt, die nicht die ihre war. Doch die sächsische Heimat, die Ostsee, die Erinnerungen an ein früheres Leben – sie sind nicht verschwunden, nur leiser geworden. Zur Jahrtausendwende treffen wir sie wieder: eine Geschäftsfrau, die gelernt hat, sich zu behaupten. Dann platzt die Dotcom-Blase, und mit den Märkten gerät auch Annas sorgfältig austariertes Leben ins Kippen. Beruflich wie privat brechen Gewissheiten weg, die sie für tragfähig gehalten hatte.
Tamara Huhle erzählt in „Die Bullenmacher" davon, was es bedeutet, wenn äußere Erschütterungen und innere Brüche zusammenfallen. Der Roman fragt, wie viel Anpassung ein Mensch verträgt, bevor er sich selbst nicht mehr erkennt – und ob Neuanfänge irgendwann aufhören, Neuanfänge zu sein, weil sie zur Grundstruktur eines Lebens werden. Es ist auch eine Geschichte über die Wendegeneration im doppelten Sinn: Menschen, die den Umbruch von 1989 verarbeitet haben und nun, kaum ein Jahrzehnt später, dem nächsten Beben standhalten müssen.
Ein Roman für Leserinnen und Leser, die sich für die weniger erzählten Nachwendegeschichten interessieren – jene, die nicht in Berlin oder Leipzig spielen, sondern in der schwäbischen Provinz, wo ostdeutsche Biografien leise weitergehen, ohne dass jemand danach fragt.