Ein Bombenentschärfer, der morgens seiner Frau verschweigt, was der Tag bringen wird. Eine Scheintote im Ilmenauer Krematorium, 1983. Ein Sprengstoffanschlag in Gehrens Flussspatgrube, der beinahe eine ganze Schicht unter Tage ausgelöscht hätte. Und die grausigen Einzelheiten von Hexenprozessen, die sich in der Region zugetragen haben – Folter, Verbrennung bei lebendigem Leib. Klaus Ullrich Hubert hat für sein über vierhundert Seiten starkes Erstlingswerk keine Archive durchforstet, um Bekanntes noch einmal aufzubereiten. Er hat stattdessen betagte Zeitzeugen aufgesucht, hat zugehört und protokolliert, was sonst mit ihnen verschwinden würde. Herausgekommen ist eine Sammlung außergewöhnlicher Geschichten aus Thüringen – manche grausam, manche absurd komisch, manche einfach schräg.
Das Buch stellt eine Frage, die unscheinbar klingt und es nicht ist: Was gerät in Vergessenheit, wenn niemand es aufschreibt? Zeitungen reißen Ereignisse an, Ortschroniken sortieren das Vorzeigbare ein, und das Sperrige, Unbequeme, Kuriose fällt durch die Raster. Hubert interessiert sich gerade für dieses Dazwischen – für Geschichten, die in keinen ordentlichen Themenordner passen, die aber vom Leben in der Region erzählen, wie es tatsächlich war. Die authentischen Gesprächsprotokolle geben dem Buch seinen Ton: direkt, ungeschliffen, nah an den Menschen und ihren Erinnerungen.
Ein Buch für Leserinnen und Leser, die Heimatgeschichte nicht mit Verklärung verwechseln. Die wissen wollen, was hinter den kurzen Zeitungsmeldungen lag, und die es aushalten, wenn Geschichten weder glatt noch gefällig sind.