In den letzten fünfzig Jahren hat die Biologie einen Wissenszuwachs erfahren, der die alten Fachgrenzen zwischen Botanik, Zoologie und Genetik längst gesprengt hat. Vom Molekül bis zum Ökosystem, von der Bionik bis zur organismischen Systemanalyse reicht heute das Spektrum einer Disziplin, die nahezu alle Lebensbereiche durchdringt. Dieser Band versammelt die wesentlichen Beiträge zweier Tagungen der Deutschen Gesellschaft für Geschichte und Theorie der Biologie aus dem Jahr 2018: der Jahrestagung in Jena zum Verhältnis von Biologie und Bildung sowie einer Gedenkveranstaltung in Lippstadt zum 135. Geburtstag des Biologen und Lehrers Hermann Müller (1829–1883).
Die Frage, die das Buch stellt, ist drängend und alles andere als rein akademisch: Wie lässt sich ein derart expandierendes Wissensfeld noch vermitteln? Welche Konsequenzen hat die Ausdifferenzierung der biologischen Wissenschaften für Lehrpläne, für didaktische Konzepte, für das, was eine Gesellschaft als biologische Bildung begreift und einfordert? Die Beiträge nähern sich diesen Fragen aus historischer, theoretischer und fachdidaktischer Perspektive – und erinnern zugleich daran, dass die Spannung zwischen Forschungsstand und Schulwissen keine Erfindung der Gegenwart ist, sondern eine Grundfrage naturwissenschaftlicher Bildung seit dem 19. Jahrhundert.
Ein Band für alle, die sich mit Biologiedidaktik, Wissenschaftsgeschichte oder Bildungstheorie befassen – und für jene, die wissen wollen, was es bedeutet, wenn sich ein Fach schneller verändert, als seine Vermittlung folgen kann.