Bäume sind Zeitzeugen, die nicht sprechen – und doch erzählen sie von allem, was war. Jürgen Ludwig nimmt in seinem sechsten Buch die Bäume Arnstadts in den Blick: die alten Linden und Kastanien im Stadtbild, das Grün der Gärten und Plätze, die Landschaft vor den Toren der Stadt. Er erinnert sich an den „Kaffeebaum" am Stadtrand, an Kindheitswege unter Kronen, die es längst nicht mehr gibt, und verbindet persönliche Erinnerung mit sorgfältiger Recherche. Zeitzeugen kommen zu Wort, Baumgutachter steuern Fachwissen bei, die Künstlerin Kirstin Heinemann ergänzt den Text mit ihrem eigenen, malerischen Blick auf Stamm, Ast und Rinde. Rund 150 Fotografien machen das Buch zugleich zu einem visuellen Dokument.
Hinter der Bestandsaufnahme steht eine ernsthafte Frage: Was bedeuten Bäume für eine Stadt – jenseits von Dekoration und Grünflächenstatistik? Ludwig, Jahrgang 1942, betrachtet Bäume als Teil städtischer Biographie. Sie markieren Orte, an denen Geschichte stattgefunden hat, sie verändern Straßenzüge und Mikroklima, sie verbinden Generationen. Wer einen Baum pflanzt, trifft eine Entscheidung für Menschen, die er nicht kennen wird. Dass daraus auch eine Verpflichtung folgt, verschweigt der Autor nicht.
Ein Buch für alle, die in Arnstadt leben oder gelebt haben und ihre Stadt einmal aus einer ungewohnten Perspektive betrachten wollen – von unten nach oben, entlang der Jahresringe. Und für alle anderswo, die wissen, dass man den Zustand einer Stadt an ihren Bäumen ablesen kann.