Goethe war nicht nur Dichter, sondern auch Beamter, Minister, Verwalter — ein Mann, der Akten wälzte, Haushaltspläne prüfte und in Ausschüssen saß. Er kannte das zähe Geschäft der politischen Praxis, die Reibung zwischen Idee und Wirklichkeit, den Ärger über Pfuscherei in Staatsangelegenheiten. Aus dieser doppelten Erfahrung — hier die Dichtung, dort die Verwaltung — stammen Sätze, die sich mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit weigern, zu veralten. Stefan Wogawa und Frank Kuschel haben sie gesammelt und zusammengestellt: Goethe-Zitate, die ins Rathaus passen, in die Kreistagssitzung, an den Schreibtisch einer Bürgermeisterin.
Das schmale Buch stellt keine akademische Frage, sondern eine sehr praktische: Was kann einer, der vor zweihundert Jahren regierte und dachte, denen sagen, die heute regieren und entscheiden? Die Antwort liegt in den Zitaten selbst. Goethe schrieb über Bürokratie und Verantwortung, über das Verhältnis von Macht und Anstand, über die Versuchungen der Politik und die Pflicht zur Genauigkeit — mit einer Klarheit, die manchen Koalitionsvertrag beschämt. Dass er dabei auch ironisch, gelegentlich resigniert und oft überraschend gegenwärtig klingt, macht die Lektüre zu mehr als einer Zitatensammlung.
Ein Buch für alle, die in der Kommunalpolitik arbeiten und gelegentlich einen Satz brauchen, der sitzt. Und für alle anderen, die wissen wollen, was Goethe über das Zusammenleben in einem Gemeinwesen zu sagen hatte — jenseits von Faust und Farblehre.