Drei von vier Betrieben geschlossen, der Glasbetrieb als einziger, der überlebte – was nach 1989 in Großbreitenbach geschah, war kein sanfter Übergang. Es war ein Einschnitt, der Erwerbsbiografien zerriss, Familien vor existenzielle Fragen stellte und das Gefüge einer ganzen Kleinstadt veränderte. In öffentlichen Erzählsalons haben Großbreitenbacherinnen und Großbreitenbacher berichtet, wie sie diese Jahre erlebt haben: den Verlust von Arbeit und Sicherheit, das Suchen nach Halt, die stillen Entscheidungen zwischen Weggehen und Standhalten. Ungeschönt, aus eigener Erinnerung, in eigenen Worten.
Was dabei entsteht, ist mehr als Lokalgeschichte. Es sind Erzählungen von Angst und Eigensinn, vom Durchhalten und vom langsamen Ankommen – irgendwann, irgendwo. Das Buch stellt keine These auf und liefert keine Bilanz. Es lässt gelten, was erzählt wird, und macht sichtbar, was in der großen Wendeerzählung selten vorkommt: der konkrete Alltag in einer konkreten thüringischen Kleinstadt, in der sich entschied, ob Gemeinschaft unter Druck zerfällt oder sich neu erfindet.
Ein Buch für alle, die wissen wollen, wie sich gesellschaftlicher Umbruch anfühlt, wenn man mittendrin steht. Und die bereit sind, dafür den Menschen zuzuhören, die ihn erlebt haben.